Gewohnheiten Ausgeglichenheit Ayurveda Energie

Wie Du mit einfachen Gewohnheiten aus Ayurveda und Yoga zu mehr Energie und Ausgeglichenheit kommst

Fühlst Du Dich in letzter Zeit erschöpft, kommst morgens nicht aus dem Bett oder bist schlecht gelaunt? Vielleicht hast Du auch zugenommen? Ich höre in meinem Umfeld oft, dass das aufs Älterwerden geschoben wird. „Das ist eben so“ ist ein Satz, der häufig fällt.

Nun, Ayurveda ist da anderer Meinung. Laut Ayurveda sind menschliche Körper darauf ausgelegt 100 Jahre alt zu werden, ohne Zipperlein, Wehwehchen und Krankheiten. Ich finde es faszinierend, dass diese Wissenschaft vom Leben das menschliche Potential bereits vor über 5000 Jahren so beschrieben hat – von wegen steigende Lebenserwartung durch die Geschichte hindurch. In der damaligen indischen Hochkultur war es offenbar normal, dass man als Mensch 100 Jahre alt wurde und es einem dabei gut ging.

Mich inspiriert dieses Wissen sehr. Vor etwa fünf Jahren habe ich es kennengelernt. Damals war ich ausgebrannt – obwohl ich dachte, dass ich gesund aß und regelmäßig zum Yoga ging. Ich hatte schlechte Haut, keine gute Verdauung, war oft schlecht gelaunt und fühlte mich nicht wohl in meinem Körper – mit guten 5 Kilos mehr und viel zu starken Monatsblutungen, die mich erschöpft und blutleer machten. Ich tat damals viel für meine Gesundheit – dachte ich! –, ging zur Akupunktur und vergrub mich in Büchern über den weiblichen Hormonhaushalt und recherchierte spezielle Kräutertees und homöopathische Mitte. Rückblickend sehe ich, wie punktuell ich damals dachte. Ich dachte, ich würde einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, war jedoch darauf fokussiert, meine Symptome verschwinden lassen. Das funktionierte nicht oder nur bedingt. insgesamt ging es mir nicht richtig besser und ich schob das aufs Älterwerden – mit 33! – und sagte mir, das sei nun eben so.

Einfache Gewohnheiten veränderten mein Leben

Ein Teil von mir wollte sich jedoch nicht damit zufriedengeben und als ich auf Ayurveda stieß, räsonierte dieses System sehr tief mit mir. Zunächst erschien es mir sehr kompliziert und mit vielen strengen – aus meiner damaligen Sicht – strengen Vorschriften. Ich hörte Interviews und begann Bücher zu lesen, die mir einen Hoffnungsschimmer davon machten, was für ein Leben auf mich warten könnte, wenn ich den Druck herausnahm und mich sehr viel radikaler um mich und meinen Körper kümmerte: Vor 22 Uhr schlafen gehen und vor 6 Uhr aufstehen erschien mir monastisch, uncool und unrealistisch. Da meldete sich ein rationaler Teil von mir, der sofort eine Bedrohung darin sah – immerhin sah ich mich immer noch als „Intellektuelle“, die ihre frühen Zwanziger an Theatern verbracht hatte, wo es dazugehörte, nach den Vorstellungen noch in der Kantine beim Wein die neuesten Moves in der Kulturszene zu diskutieren. Da ich jedoch schon länger dem Theater und der Lebenswelt darum herum den Rücken gekehrt hatte, schien es auch ein möglicher Schritt, diese Identität loszulassen. Ich las ein Buch und schloss mich einer Community an, in der es darum ging, 10 einfache Gewohnheiten aus Ayurveda und Yoga in den Alltag zu integrieren. Das war sehr entscheidend für mich, weil es hier zum Beispiel cool war, früh schlafen zu gehen, weil es alle taten. Am wichtigsten war für mich, dass ich in dieser Community alte Identitäten loslassen konnte und für mich eine neue, nun mehr zu mir passende, etablieren konnte und dabei unterstützt wurde.

Ich möchte hier von den 10 Gewohnheiten und meinem Weg mit ihnen erzählen:

1. Früh und leicht zu Abend essen

Das fiel mir nicht schwer, das hatte ich schon in meinen frühen Ausflügen in die Chinesische Medizin kennengelernt. In der Zeit, als ich im Verlag arbeitete, aß ich häufig im Büro gegen 17 Uhr oder 17:30 etwas Mitgebrachtes bevor ich nach Hause oder zu einer Yogastunde fuhr.

2. Früh Schlafen

Das frühe Schlafen war schwerer, aus oben genannten Gründen. Als ich mich jedoch umgestellt hatte, erlebte ich große Energieschübe, die ich sonst nur am Nachmittag und späten Abend oder nach einem ordentlichen Kaffee kannte. Auf einmal konnte der Arbeitstag als Selbstständige um 8 oder auch früher beginnen. Früher war es mir schwer gefallen, um 9 Uhr an meinem Büroplatz an der Uni zu sitzen.

3. Den Tag frisch und neu beginnen

Morgendliche Meditation kannte ich aus meinen vielen Jahren in einer Tradition des Tibetischen Buddhismus. Ich erlaubte mir nun, die Meditation kürzer zu halten und erlebte besonders großes Glück und Klarheit, wenn ich es schaffte, vor 6 Uhr zu meditieren und mitzubekommen, was im Ayurveda „die göttliche Zeit“ genannt wird: Das Meditieren geht wie von allein, es fühlt sich an, also ob ich mich ganz einfach an etwas andocke, das schon da ist und ich bin den ganzen Tag über mit etwas Höherem verbunden. Was mich hingegen sehr herausforderte, war die Gewohnheit, morgens als erstes so viel Wasser zu trinken, dass eine komplette Darmentleerung möglich ist – ja, ich habe gelernt, wie wichtig es ist, über so ein unfeines Thema zu sprechen. Ich trank und trank – manchmal sogar mehr als 2 Liter – und nichts wollte sich entleeren. Nach den Anweisungen meiner Mentorin machte ich einfach weiter, viele Wochen lang, bis sich auf einmal etwas änderte. Ayurveda beschreibt als Zeichen von Gesundheit ein morgendliches Geschäft der Konsistenz einer Banane mit 45 cm Länge. Alles andere ist ein Zeichen von Imbalance, was letztlich die Vorstufe von Krankheit bedeutet. Das war ein wahrer Schlüssel für mich. Sobald die Sache, dank verschiedener gezielter Maßnahmen gegen die nun genauer beschreibbaren Imbalancen im Inneren – und nicht nur Beschreibung der Symptome – , ins Gleichgewicht kam, startete ich mit einem Energieschub in den Morgen, der lange anhielt.

4. Atem-Bewegungs-Praxis

Vor dem Frühstück 20 Minuten bewegen und dabei bewusst und tief durch die Nase atmen – das unterscheidet diese Gewohnheit vom reinen „Sport“. Ich begann mit Laufen oder Yoga. Über die Jahre habe ich auch viel Pranayama integriert. Kundalini-Yoga mag ich besonders, weil hier so gezielt mit dem Atem gearbeitet wird und es gleichzeitig sehr anstrengend sein kann. Insgesamt ist bei dieser Gewohnheit zentral, dass Du die Intensität des Workouts und auch die Arten der Bewegung variierst und auf Deinen Körpertyp und Deine momentane körperliche Verfassung abstimmst. Wenn ein Fliegengewicht jeden Tag sprintet, brennt es schnell aus. Wenn jemand, der ohnehin schon gemütlich ist und mehr Fett als Muskeln auf den Knochen hat, nur Atemübungen im Sitzen macht, ändert sich nicht viel. Wenn die beiden hingegen tauschen würden, würden sie in ganz neue körperliche Potentiale kommen.

5. Pflanzliche Ernährung

Das heißt nicht, zwangsläufig vegetarisch essen, sondern vor allem, Dich für Pflanzen zu interessieren und zunehmend mehr davon in Deinem Speiseplan aufzunehmen und gleichzeitig verarbeite Nahrungsmittel zu reduzieren. Je originärer ein Nahrungsmittel ist, desto besser kann Dein Körper die Nährstoffe daraus aufnehmen. Für mich hieß das, mich auch sehr für Wildkräuter wie Brennnessel und Löwenzahn zu interessieren und sie in meinen Speiseplan – Salate und Smoothies –aufzunehmen. Ich habe gelernt, wie gerade diese als „Unkraut“ stigmatisierten Pflanzen eine Wahnsinns-Power haben und mich mit einem sehr wilden Anteil von mir verbinden. Ich versuche, jedes Jahr neue essbare Pflanzen kennenzulernen, mag inzwischen viel mehr bitteres Grün und kaufe kaum noch Verpacktes aus dem Supermarkt. Wir haben eine Gemüsekiste und bestellen Reis und Linsen beim Großhandel.

6. Selbstmassage

Diese Gewohnheit war für mich am Exotischsten: Mich jeden Tag mit warmem Öl zu massieren, das meiner Konstitution entspricht. Ich nehme, wenn es kalt ist, Sesamöl, sobald es wärmer wird, Mandel- oder im heißen Sommer auch Kokosöl. Ich mache das morgens vor einer kurzen kalten Dusche und habe dafür spezielle „Ölhandtücher“. Dieses Ritual ist der größte Gamechanger für mich gewesen: Ich integriere alle Körperteile, „hole sie nach Hause“, habe mich mit Körperteilen angefreundet, die ich vorher nicht so mochte oder vernachlässigt habe. Ich fühle mich viel mehr im Körper. Du kannst damit Schlacken und Ablagerungen herausmassieren und Deinen Körper mit den Händen formen und modellieren. Auch alte Glaubenssätze und innere Blockaden können mit täglichen Ölmassagen langfristig heilen. Mit dem Öl bringst Du Liebe in alle Körperschichten und erlaubst Regeneration und emotionaler Lösung alter Geschichten. Wirklich ein Wundermittel!

7. In Stille Sitzen

Man könnte auch sagen „Meditation“, dieser Begriff ist jedoch für viele abschreckend, da hier impliziert wird, dass man dabei etwas bestimmtes tut und etwas damit erreicht. Für mich mit 10 Jahren Meditationserfahrung war es neu, diese Ansprüche komplett loszulassen und anstatt etwas zu visualisieren oder ein Mantra zu sprechen, einfach nur dazusitzen und zu üben, mich zu entspannen und dabei aufmerksam zu sein. „Achtsamkeit“ ist zu einem solchen Buzzword geworden, es gibt dazu Trainings, Seminar und zahlreiche Meditations-Apps. Dabei kannst Du auch einfach „ohne alles“ meditieren und einfach einen Timer für 5 Minuten – oder länger– stellen. Die beste Meditationsanleitung, die ich je bekommen habe lautet: „Entspann Dich – und achte darauf, was passiert“. Damit kommst Du in die Präsenz, ins Hier und Jetzt. Überall, ohne Chichi. Und erlaubst Deinem Geist, Geschehenes sich setzen zu lassen und neue Erkenntnisse aufstiegen zu lassen, die sich nicht zeigen, wenn Du Dir keine Input-Pausen gibst.

8. Rhythmisches Essen

Bereits Ayurveda kannte das, was heute als „Intermittierendes Fasten“ bekannt ist. Für mich war es neu, die Stunden zu zählen, in denen ich esse und eine tägliche – oder besser, nächtliche – Fastenzeit zu etablieren. Anders als die Biohacker rät Ayurveda dabei dazu, die größte Mahlzeit zwischen 11 und 14 Uhr zu Dir zu nehmen und nach 18 Uhr nicht mehr zu essen. Je nach Körpertyp werden 13 bis 18 Stunden Fasten empfohlen und sind durchaus gesund. Filigranere Menschen sollten sich dabei am unteren Ende des Spektrums orientieren, Kräftigere, Fülligere kommen häufig so richtig in ihre Kraft, wenn sie sogar nur eine große Mahlzeit am Tag zu sich nehmen. In der Fastenzeit wird viel heißes Wasser getrunken. Ich musste für meinen Vata-Typ erst herausfinden, dass für mich 14 oder 15 Stunden häufig ausreichen, mit 16 wurde ich manchmal etwas flatterig. Für mich hat sich damit meine Verdauung sehr verbessert, meine Haut wurde klar und meine Cellulite hat sich „selbst verdaut“. Zentral bei der ganzen Sache ist, dass man anstatt den Zucker-Stoffwechsel ständig zu befeuern, den Körper darauf umstellt, den Fett-Stoffwechsel zu aktivieren. Daher sind gute Fette zentral. Zudem ist es ratsam, sich auf einen Rhythmus einzupendeln, dem man dann jeden Tag folgt.

9. Sinnesorgan-Pflege

Ayurveda kennt für jede Körperöffnung ein – pflanzliches – Öl: Augen, Ohren und Nase werden mit regelmäßigen einfachen Ölanwendungen für Zuhause jung und klar gehalten. Eine täglich gespülte und eingeölte Nase schützt vor Viren und Erkältungen. Bei Scheidentrockenheit hilft ein Tampon mit Kokosöl und Öl-Einläufe haben eine sehr stark regenerierende Wirkung auf das ganze Nervensystem. Es muss gar nicht so abgefahren sein: Schon ein Tropfen Ghee in die Augen vorm Schlafen lindert Bildschirm-Trockenheit, ein Tropfen Sesamöl in der Nase schützt vor Viren. Zentral ist das Verständnis, dass der Alterungsprozess vor allem damit zu tun hat, wie wir über unsere Sinnesorgane die Welt wahrnehmen. Und hier gilt es genau hinzuspüren: Was wollen die Augen mehr sehen, die Ohren mehr hören? Bereits, öfter den Fernseher abzuschalten und stattdessen Musik zu hören kann Balsam für das ganze System sein und es jung halten.

10. Leben in Gelassenheit

Stress oder Flow – Wir haben die Wahl. Mich fasziniert es, dass wir lernen können, Stress sehr fein zu bemerken und uns dann mit einfachen Mitteln wie tiefem Atem durch die Nase in einen gesünderen Zustand bringen können. Oft stecken Traumata tief im Körper und doch lassen sie sich häufig bis zu gewissen Graden auch mit ganz einfachen Praktiken lösen, die wir selbst durchführen können. Denn Stress macht krank, auch wenn er latent ist. Für mich war es bahnbrechend, zu erkennen, dass Stress nicht einfach aufgrund äußerer Umstände da ist, sondern dass ich immer eine Wahl habe: Und Stress ist nie produktiver als Entspannheit. Es mag sich aufregender anfühlen, letztlich bin ich jedoch viel weniger produktiv, habe ein eingeschränktes Blickfeld und vergifte meinen Körper mit Hormonen, die von Natur aus für wirkliche Ausnahmezustände ausgelegt sind. Bin ich im Flow und im Vertrauen, vermittel mir mein Körper genau, gut und was nicht so gut für mich ist. Heute fühle ich mich jünger und vitaler als vor 5 oder 10 Jahren. Ich genieße es, energiegeladen und mit Freude das tun zu können, wozu ich mich gerufen fühle. Im besten Fall 100 Jahre lang!

Das war mein Transformationsweg mit den 10 Gewohnheiten. Wie Du merkst, habe ich mich sehr verändert. Auch mein Umfeld bestätigt das. Ich habe vor allem auch alte Identitäten losgelassen und angefangen, meine Bedürfnisse nach dem „Sauerstoffmasken“-Prinzip an erste Stelle zu stellen: Erst, wenn es mir richtig gut geht, kann ich auch für andere da sein. Und das umso mehr, je besser es mir geht. Und ja, das ging nicht immer ohne Gegenwind von Menschen, die das „egoistisch“ oder langweilig fanden. Ich habe mich davon frei gemacht.

Insgesamt hörst Du sicher heraus, dass es bei diesem Weg um viel mehr geht, als Dich „fitter“ zu fühlen oder weniger krank zu sein: Du kommst in Deine Mitte, lernst Deine Potentiale kennen und hast Energie, in die Welt zu bringen, was Dir am Herzen liegt.

War dieser Einstieg in die 10 Gewohnheiten für Dich interessant? Dies sind genau die Gewohnheiten, mit denen wir im Körperleben-Programm arbeiten. Körperleben und die unterstützende Community dazu gibt es in Kürze als Online-Kurs. Infos dazu kommen in den nächsten Wochen.

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Twiggy am 23/05/2020 um 14:30

    Liebe Marie,

    habe deinen Artikel mal wieder aufmerksam gelesen… und nehme ihn als Anlass, mich wieder mit Öl zu massieren und mehr Ayurveda zu integrieren. Ich bestelle jetzt mal das Buch. Danke dir für deine Offenheit 🙂

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