Weiblichkeit Feminin Maskulin

Warum Du nicht „weiblicher“ werden musst – Oder: Das Feminin – Maskulin – Weiblich – Männlich Missverständnis

Um die Begriffe „weiblich“, „männlich“, „feminin“ und „maskulin“ herrscht aktuell vielerorts große Verwirrung. Sicher ist Dir schon häufig der Allgemeinplatz begegnet, dass „feminin“ „passiv“ sei, wohingegen „maskulin“ mit „aktiv“ verbunden wird. Und bestimmt ist es Dir schon einmal passiert, dass daraus die Schlussfolgerung gezogen wurde, dass Frauen eher „empfangend“ und Männer „aktiv im Außen“ sind. Vielleicht hat daraus sogar jemand Unsinn entlang folgender Argumentationslinien hergeleitet: 

  • Frauen ist beruflicher Erfolg – oder etwas in der Welt bewegen – von Natur aus nicht so wichtig und deshalb können sie sich viel besser um das Zuhause und die Kinder kümmern 
  • Männer sind von Natur aus Gefühls-Legastheniker und deshalb sind sie einfach besser im Planen und Entscheiden von großen Dingen

Lange habe ich zumindest Teile davon geglaubt. 

Als Teenager fing es an, dass ich – ungefragt – den Ratschlag bekam, „weiblicher zu werden“. Gemeint war damit: Mich Männern offener als Sexualpartnerin anzubieten. Und „weicher und zurückhaltender“ zu werden, was meine Ziele anging: Ambitionen herunterfahren. Ergebnis an der Liebes-Front: Ich hatte Sex, ja. Aber Einen Partner, der zu mir passte, habe ich mit der Strategie nicht gefunden. Ergebnis an der Berufs-Front: Und ich habe viel gearbeitet. War sehr fleißig und habe für wenig Geld gearbeitet. Und erfüllt war ich nicht. 

Vor allem blieb eine Verwirrung angesichts der Begriffe. Ich begann zu forschen und je tiefer ich mich in die Materie begab, desto deutlicher wurde, wie groß die Missverständnisse um die Begriffe „feminin“, „maskulin“, „weiblich“ und „männlich“ sind. Meiner Ansicht nach ein Erbe der patriarchalen Jahrhunderte, das wir nun abschütteln und hinter uns lassen können. 

In pseudo-spirituellen Instagram-Posts liest man häufig die Forderung, dass man als Frau endlich „weiblicher“ werden sollte: „Höre einfach auf Dein Herz, reise einfach nach Bali!“. „Folge Deiner Intuition und kündige Deinen Job“. Moment mal. Weiblicher wirst Du weder dadurch, dass Du mehr Kreativität, Herz oder Intuition lebst, noch dadurch, dass Du all Deine Strukturen in die Luft wirfst.

Zur Begriffsklärung:

Weiblich ist jemand, die biologische weibliche Geschlechtsmerkmale hat. Männlich ist jemand biologisch männlichen Geschlechts.

Und ja, es gibt Zwischenformen. Das sind dann Zwischenformen. Ja, das ist meine Meinung.

Wenn es also heißt: „Um richtig weiblich zu sein, musst Du lernen, zu empfangen“ ist das kultureller Bullshit. Weiblich ist die Biologie. „Richtig weiblich“ ist man, wenn man biologisch weiblich ist. Da gibt es nichts mehr dran zu verbessern.  Die gute Nachricht also: Wenn Dir, die Du biologische Merkmale einer Frau aufweist, jemand sagt, Du seist „nicht besonders weiblich“ oder „nicht weiblich genug“, kannst Du das getrost an Dir abperlen lassen. Da hat die andere Person etwas Grundlegendes nicht verstanden. 

Mit „feminin“ und „maskulin“ ist es komplexer. Laut Duden bedeuten diese Begriffe: „das, was einer Frau/ einem Mann zugeschrieben wird“. Also nicht mehr und nicht weniger als kulturelle Zuschreibungen. Etwa, dass Männer mit Aktivität, Frauen mit Passivität verbunden werden. Was ein großes kulturelles Märchen ist. Ein Märchen, das sich bis in Biologiebüchern meiner Schulzeit fortsetzte, in denen stand, dass Spermien aktiv sind, wohingegen Eizellen passiv auf selbige warten. Hier hat die Wissenschaft hat tradierte Geschlechterbilder auf ihre Erkenntnisse projiziert. Heute weiß man: Eizellen sind sehr aktiv, ziehen die Spermien förmlich an und suchen sich aktiv aus, welche sie haben möchten. 

Wie sinnvoll ist es, die Begriffe „feminin“ und „maskulin“ zu verwenden? 

Ja, macht es. Wenn wir sie als Qualitäten verstehen, die nicht einem Geschlecht zugeordnet sind. Sondern so, dass Männer wie Frauen maskuline und feminine Anteile haben. Und wir nun in eine Zeit eintreten, in der wir alle gefordert sind, uns ins Gleichgewicht zu bringen. 

Es ist zugegebenermaßen ein wenig komplex, jedoch lohnt es sich sehr, sich tiefer damit zu beschäftigen. 

Auf die Gefahr hin, dass Du sagst, das sei ja ganz „traditionell“, hier die Zuschreibungen, die ich sinnvoll finde – unten gehe ich näher darauf ein, warum. 

Maskulin: auf äußere Welt bezogen, beginnt mit Bewegung nach außen: Verwurzeltsein in der Welt, Ziele setzen, Erfolg, Geld verdienen, Deine Stimme erheben, Deine Bestimmung leben

Feminin: auf innere Welt bezogen, beginnt Innen und kann dann nach Außen gehen – muss es aber nicht/ , mit Bewusstsein innen, strahlt dann nach außen, wenn es kraftvoll ist und bewegt dann etwas in der Welt: Kreativität, Gefühle, Liebe, Verbindungen, Beziehungen, Intuition 

Es sind Plus- und Minuspole, ohne dass dabei einer mehr oder weniger wert ist als der andere

Die Begriffe dabei mit biologischen Geschlechtern gleichzusetzen ist verwirrend! Und wichtig dabei ist: Wir brauchen alle alles davon. Gerade in der heutigen Zeit. Wenn eine der genannten Qualitäten sehr stark oder erst sehr wenig entwickelt ist, liegt das also nicht am Geschlecht, sondern am Individuum und seiner oder ihrer Vergangenheit. Und klar, eine Geschichte, in der Frauen und Männer eine Geschichte haben, in der sie bezüglich Macht und Ausdruck nicht gleichberechtigt und gleichwertig waren, entstehen ähnliche Muster bei Frauen und andere ähnliche Muster bei Männern. 

Ich möchte noch einen Schritt weiter gehen und mit dem System der Chakren verdeutlichen, wie feminine und maskuline Qualitäten an verschiedenen Stellen in unseren Körpern – gleich welchen Geschlechts – Zuhause sind:

  1. Wurzelchakra: maskulin: Unsere Sicherheit 
  2. Sakralchakra: feminin: Unsere Kreativität
  3. Nabelchakra: maskulin: Unsere Kraft
  4. Herzchakra: feminin: Unser Fühlen
  5. Halschakra: maskulin: Unsere Stimme
  6. Strinchakra: feminin: Unsere Intuition
  7. Kronchakra: maskulin: Unsere Verbindung zum Universellen
  8. Aura/Verbindung aller Chakren: feminin: Unsere Ausstrahlung

Wie wir sehen, wechseln sich feminine und maskuline Chakren ab. Abwechselnd ist eines zuerst nach außen gerichtet und dann zunächst im Inneren aktiv.

Über die Chakren als Landkarte können wir auch daran arbeiten können unsere noch nicht so stark ausgeprägten Seiten zu entwickeln und zu stärken. Und hier fängt es an, richtig interessant zu werden: Denn viele von uns Frauen in unseren beschäftigten Leben zu kurz kommen lassen ist, unsere femininen Aspekte zu stärken. Unsere Intuition zu schulen und auf sie hören, in Verbindung mit anderen und der Welt gehen, in den Flow kommen, Emotionen fließen lassen, auf den Fluss des Lebens vertrauen. Allerdings: Genau das brauchen Männer auch. Wir haben Intuition und Herz nicht für uns gepachtet!

Es reicht jedoch nicht aus, nur unsere femininen Aspekte zu stärken

Denn das gibt uns keine Sicherheit, keine Tatkraft, keinen Mut und wir erheben noch nicht unsere Stimme. Ich behaupte sogar: Wenn wir unseren Fokus darauf legen, femininer zu werden, überlassen wir die wichtigen Sachen wieder den Männern! Zur Klarstellung: Ja, ich liebe Körperarbeit, Tanz und Frauenkreise, mit denen wir mehr ins Fließen kommen und kann aus eigener Erfahrung sagen, wie heilsam eine solche Arbeit für uns Frauen sein kann, die verhärtet und steif durchs Leben gehen, als wären sie die besseren Männer. Ich war selbst lange so eine Frau. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man den eigenen Körper von außen bewertet anstatt ihn zu bewohnen und sich darin von innen zu navigieren und der Weisheit des eigenen Körpers zu folgen. Aber es reicht eben nicht aus, wenn wir uns als Frauen nur darauf konzentrieren, femininer zu werden. 

Wir Frauen brauchen unsere maskulinen Aspekte ebenso: Uns sicher fühlen in der Welt, in die Handlung gehen, unsere Wahrheit sprechen. Und wir müssen an diesen Fähigkeiten – nach dem, was uns Erziehung, Schule, Kultur immer noch beibringen – oft etwas mehr dran arbeiten als Männer, die mehr mitbekommen, dass diese Seiten von ihnen erwünscht sind. 

Wir brauchen alle alles. Dann können wir ganze eigene Leben führen und als ganze Menschen Beziehungen auf Augenhöhe führen. 

Mit dieser Sichtweise fällt auf einmal die Brille der kulturellen Matrix herunter und Du siehst: Männer in Männerkörpern und Frauen in Frauenkörpern, die sich in kultuell gewachsenen Bildern, Vorstellungen und Ansprüchen bewegen. Und ihr bestes geben.

Dann wird es interessant!

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