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Burnout und Stress aus Ayurveda-Sicht – und wie Du da herauskommst

Weder anspruchsvolle Arbeit noch ein fordernder Chef führen zu Stress oder Burnout. Das Problem ist komplexer: Du bist in eine ungesunde Dynamik unserer aktuellen Welt geraten. Ich möchte Dir in diesem Artikel einen Perspektivenwechsel anbieten: Dein Körper ist nicht zu wenig leistungsfähig oder Du zu wenig stress-resistent. Vielmehr haben wir es hier laut der Ayurveda-Lehre mit einem Denkfehler zu tun.

Dieser Beitrag bietet Dir einen ausführlichen Hintergrund und eine breitere Einordnung von Stress und Burnout. Ganz konkrete Tipps, was Du bei akuten Überforderung-Zuständen und körperlich-mentalen Tiefs Tun kannst, findest Du hier.

Also der Reihe nach:

 

Weshalb Stress nicht per se schlecht ist

Stress ist erstmal nichts Schlechtes. Wenn wir Stress 100% vermeiden wollten, dürften wir nie etwas Neues ausprobieren, das uns erstmal Angst macht. Ohne Stress gäbe es kein Wachstum. Nur, wenn wir uns ab und zu etwas zumuten, was uns zuerst überfordert, können wir lernen und unsere Fähigkeiten erweitern. Also ist Stress erstmal nichts Schlechtes.

Laut Evolutionsbiologie und Neurowissenschaft ist Stress ein Zustand, in dem unser Nervensystem im Überlebensmodus ist: Wenn bei unseren Vorfahren ein großes gefährliches Tier vor der Höhle stand, galt es zu reagieren.

In diesem Ausnahmezustand wird im Nervensystem der Teil des „Sympathikus“ aktiv: Das führt dazu, dass unser Körper ungeahnte Kräfte freisetzt, um etwa wegzulaufen, zu kämpfen oder sich totzustellen, in der Hoffnung, dass das hungrige Tier einen nicht entdeckt.

Durchaus sinnvoll oder?

 

Was macht Stress mit unserem Körper?

Dieser Zustand drückt sich unmittelbar in unserem Körper-Geist-System aus: Wir sind im Notfall-Modus, im „Fight-Flight-Freeze“-Zustand. Das Frontalhirn, das für Weitblick, komplexes, kreatives Denken und Risikobereitschaft zuständig ist, setzt aus. Stattdessen wird das Stammhirn aktiv, das vor allem bekannte und einfache Lösungen favorisiert. Unser Blick verengt sich, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt. Im Überlebenskampf nicht unmittelbar notwendige Funktionen wie Magen- und Darmtätigkeit, sowie körperliche Regeneration-Prozesse setzen erst einmal aus. Die Nebennieren setzen die Stress-Hormone Kortisol und Adrenalin frei.

Das hat die Natur so eingerichtet. Allerdings wirklich nur für Ausnahmesituationen, in denen unser schnelles, akutes Handeln gefordert ist.

An sich ist unser vegetatives Nervensystem so angelegt, dass wir uns nach solchen extremen Momenten relativ schnell regenerieren. Und zwar zu dem Zustand, in dem wir eigentlich die meiste Zeit des Tages sein sollten, mit aktiviertem Parasympathikus. Dann ist das Frontalhirn wieder aktiv, wir sind bereit, positive Risiken einzugehen – also etwas zu wagen, das uns wachsen lässt – und denken komplex und kreativ. Wir sind nicht nur auf unsere eigene Sicherheit bedacht, sondern beziehen das Wohl aller ein. Der Blick wird weiter, das Herz langsamer, die Verdauung und Regeneration laufen wieder. Es steigen Testosteron (was die Bereitschaft zu positiven Risiken hervorruft) und Oxytocin (welches ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt).

 

Was wir von Tieren lernen können

Tiere können nach einer Stress-Situation Angst und Eindrücke aus einer bedrohlichen Situation abschütteln, hier siehst Du ein eindrückliches Beispiel eines Eisbären. Wir Menschen haben das offenbar verlernt oder tun es aus sozialen Gründen nicht mehr. Dabei hätte es bei uns denselben Effekt. Wenn Du das nächste Mal eine Nachricht erhältst, die Dich stresst, probier es einmal aus: Schüttel Dich eine Minute lang wie ein nasser Hund, atme dann ein paarmal tief durch und spür dann nochmal nach: Ist die Nachricht wirklich schlimm?

Unser Verstand, der uns von Tieren unterscheidet, hat zur Folge, dass wir über Ereignisse nachdenken. So haben wir uns als Spezies weiterentwickelt und aus Erfahrung gelernt: Wir haben Häuser gegen wilde Tiere und schlechtes Wetter auch sonst ein viel weniger gefährliches Leben als unsere Steinzeit-Vorfahren. Unmittelbare Lebensgefahr gibt es in unserem Leben kaum noch. Das weiß aber unser Nervensystem nicht. Es funktioniert immer noch so, dass es bei einem starken Reiz in einen Ausnahmezustand geht.

Und unsere heutige Welt ist voll von solchen starken Reizen: Nachrichten, Messenger-Dienste, E-Mails, Anrufe, Diskussionen, Meinungsverschiedenheiten… Deshalb aktiviert sich auch in nicht lebensbedrohlichen Situationen unser Stress-Nervensystem. Da wir uns in der Regel keine oder zu wenig Zeit zum Regulieren lassen, weil das nächste To-Do, der nächste Termin warten oder die nächste Email in unser Postfach flattert. So bleiben wir oft den ganzen Tag über in einem Stress-Zustand, obwohl ein Säbelzahntiger weit und breit nicht in Sicht ist.

 

Wie reguliert man Stress?

Wir können Stress regulieren, indem wir zunächst einmal spüren, wann er auftritt: Ziehe ich die Schultern hoch, wird mein Atem flacher, werde ich emotional? Dann wäre es an der Zeit, tief durchzuatmen, sich zu Recken und zu Strecken – Strecken bringt uns in den Parasympathikus –, Abstand zu gewinnen und einen Perspektivenwechsel auf die Situation zu gewinnen. Oft wird dann schnell deutlich, wie die Lage wirklich einzuschätzen ist und der Stress kann sich legen. Bloß: Wer macht das nach jeder Email oder auch nur am Ende eines Arbeitstages?

So sind viele von uns im ständigen Überlebens-Modus. Und dann läuft etwas schief: Unsere Hormone geraten aus dem Gleichgewicht, was zu Auto-Immun-Erkrankungen führen kann. Unsere Verdauung läuft nicht mehr optimal. Und: Unter Dauerstress können wir keine vernünftigen Entscheidungen treffen. Wir können nicht mehr unterscheiden, ob wir eine Pause oder einen Spaziergang brauchen oder ob die Aufgabe, an der wir gerade sitzen, überlebenswichtig ist. Im Ausnahmezustand bemerken wir körperliche Signale wie Müdigkeit oder Ruhebedürfnis nicht oder übergehen sie.

Wenn wir uns gar nicht mehr entspannen können, sind wir im Teufelskreis Stress oder Burnout gefangen. Dann hilft nur noch ein radikaler Perspektivenwechsel und radikale Verhaltens-Änderung.

 

Drei Gründe für Krankheit

Ayurveda hat eine ganzheitliche Sicht auf das Leben. Und kennt drei Gründe, aus denen Krankheiten entstehen können.

Das sind:

  1. Prajnaparadha —Entscheidungen wider besseres Wissen
  2. Asatmendriyartha samyoga — Missachtung der Sinne
  3. Parinama — Entgegen gesunder Rhythmen leben

Dauerstress und Burnout haben immer vor allem mit dem ersten Punkt zu tun: mit Entscheidungen wider besseren Wissens. Und das heißt in unserer heutigen Welt oft, dass wir unsere beruflichen Anforderungen über unsere Körperweisheit, unsere Intuition stellen oder ignorieren, was uns unser Körper über die Sinnesorgane mitteilt: Der Körper ist schon steif vom vielen Sitzen, die Augen trocken vor dem Bildschirm. Trotzdem machen wir weiter. Und öffnen damit Krankheit die Tür.

 

Menschen sind keine Maschinen – sondern viel besser

Wir sind keine Maschinen, sondern höchst komplexe Wesen, die zu sehr viel fähig sind – sofern wir gut für uns sorgen. Sonst funktioniert das Navigationssystem nicht mehr.

Wenn wir ständig To-Dos und Leistungen über Gefühl, Körpergefühl und das stellen, wozu wir eigentlich Lust haben, werden wir krank. So einfach und so herausfordernd ist es.

Der Denkfehler besteht nun darin, dass wir meinen – und als Kultur gelernt haben – mit unserem Verstand den Körper, unsere Emotionen, unser Bauchgefühl und unsere Intuition übergehen zu können. Der Denkfehler lautet: Geist über Materie.

Bereits in der Schule lernen wir, entgegen unserem eigenen Kompass zu handeln um Ansprüchen und Deadlines anderer gerecht zu werden. Dabei wäre laut Ayurveda ein gesunder Mensch jemand, der auf Gefühl und Körper hört und dann Grenzen setzt und für ausreichend Regenerations-Phasen sorgt. Sonst machen wir langfristig unser komplettes Körper-Geist-System kaputt.

 

Neue Arbeit gegen Stress?

Mit diesem Wissen gilt es, Arbeit ganz anders anzugehen. Das fordert jede und jeden Einzelnen heraus, muss aber auch Einfluss auf Ansprüche und Forderungen von Arbeitgeber und Wirtschaft haben. Was wäre, wenn Arbeitgeber darauf vertrauen würden, dass Mitarbeiter ihr volles Potential leben und geben, auch wenn dies vielleicht in weniger Arbeitsstunden stattfindet? Ich kenne viele Selbstständige, die ganz anders lernen, mit ihren Kräften zu haushalten, als einige Angestellte, die immer wieder bis zur Erschöpfung vermeintliche Anforderungen ihres Arbeitsplatzes erfüllen um sich dann wieder ein paar Wochen krankschreiben lassen müssen.

Die Frage des neuen Zeitalters, in das wir uns bewegen, lautet also: Wie können wir nachhaltig mit uns, unseren Körpern und unseren Kräften haushalten? Doch sicher nur, indem wir lernen, unsere eigenen Ressourcen und Warnsysteme so kennenlernen, dass wir uns damit selbst navigieren können.

 

Finde raus, was gut für Dich ist und lebe danach

Im Ayurveda ist ein gesunder Mensch jemand, der das tut, was gut für ihn ist. So einfach.

So wird es zum Gesundheits-Thema, ganz zu Dir zu kommen, Deinen Körper zu spüren und herauszufinden, was Dir wirklich Spaß macht und Dich erfüllt. Wenn Du Deine Wahrheit lebst, bist du im Gleichgewicht und bleibst gesund. Die Wahrheiten und Ansprüche anderer  – auch die der „Leistungsgesellschaft“ und einer Kultur in der „busy“ und gestresst sein, in ist – bringt Dich früher oder später aus der Balance, wenn Dein System es nicht mehr regulieren kann.

Wenn Du krankmachenden Stress wirklich beseitigen und langfristig zu einer Welt beitragen willst, in der Stress nur noch punktuell Spaß und Wachstum bedeutet, kannst Du heute beginnen, revolutionär zu handeln: Indem Du Dich gut um Dich kümmerst und das tust, was Dir Freude macht und wozu Du Dich gerufen fühlst. Genau damit bist Du nicht egoistisch, sondern gestaltest Du ein neues Paradigma mit, in dem jeder mehr er selbst sein darf und Menschen gesund arbeiten und ihre Fähigkeiten voll entfalten, ohne zu tun, was ihrer eigenen inneren Wahrheit nicht entspricht.

Gibt das nicht Hoffnung?

 

Fazit: Immer mehr Du selbst sein ist das beste Mittel gegen Stress

Noch einmal zum Mitschreiben: Der Denkfehler, der Stress auslöst und zu Burnout führt, besteht darin, zu glauben, Deine Gefühle, Deine Intuition und Dein Körper wären weniger wichtige Stimmen als Dein Kopf und der Wille und die Ansprüche anderer. Du hast kostbare und sehr valide Navigationssysteme. Nutze sie und lass Dich durch sie leiten. Mit jedem Mal, dass Du sie übergehst, näherst Du Dich einem Krankheits-Zustand.

Du kannst auf Deinen Körper und seine Signale vertrauen. Auch wenn Du mit dem Setzen von Grenzen Angst bekommst, ein einen scheinbar sicheren Jobs oder eine scheinbar wasserfesten Karriere ins Wanken geraten zu lassen.

Mit jedem Mal, das Du auf Dein inneres Navigationssystem hörst, kommst Du mehr zu Dir.  Und auch, wenn es erst einmal unsicher erscheint und Du bekannte Strukturen von Funktionieren hinter Dir lässt: Nur so wirst Du langfristig glücklicher, stabiler und gesünder.

 

Im Kraftfrauen-Programm geht es genau darum: Mehr Du selbst zu werden, herauszufinden was Du willst und Dich immer mehr und müheloser in Deine volle Kraft zu entfalten. Alles unterstützt mit einfachen Routinen aus Ayurveda und Yoga. Wenn Du mit mir darüber sprechen möchtest, ob das Programm für Dich das Richtige ist, buch Dir hier ein unverbindliches Gespräch.