Accountability-Partner

Wie Du mit einem Accountability-Partner zusammenarbeitest

 

„Was ist ein Accountability-Partner? So gerne ich sonst deutsche Begriffe benutze, hier finde ich keinen. Wörtlich bedeutet es „Rechenschafts-Partner“, na herzlichen Glückwunsch, das klingt sehr deutsch, nach viel Pflicht und wenig nach Freude. Dabei kann Dich ein Accountability-Partner* gerade dahin führen, dass Dein Leben und Deine Arbeit leichter und freudvoller werden. Eben weil Dich jemand dabei unterstützt, und Dich „bei der Stange hält“, wenn es darum geht, was Dir wirklich wichtig ist.

In diesem Beitrag erfährst Du

  • – weshalb Deine Accountablity-Partnerin unbedingt jemand anderes sein sollte als Dein Partner oder Deine beste Freundin, weshalb sie jedoch zu Letzterer werden kann
  • – Wie Du einen geeigneten Accountability-Partner findest
  • – Was Du dabei von Dir selbst wissen solltest
  • – Wie Ihr eine Struktur schafft, miteinander zu arbeiten
  • – Wie Ihr an Herausforderungen gemeinsam wachst.

 

Warum überhaupt ein Accountability-Partner?

Es ist wahnsinnig schwer, komplett allein unsere nächste Stufe an Potential, Entwicklung und Entfaltung unserer Fähigkeiten zu erreichen. „We cannot become ourselves by ourselves“, sagt die Expertin für Transformatives Lernen Claire Zammit.

 

Wir können nicht ganz allein unser Potential entfalten. Das könnte heißen: Neue Gewohnheiten entwickeln, Deine Selbstständigkeit, Dein Unternehmen oder Deine Karriere auf die nächste Stufe bringen – egal, ob Du das nach Umsatz, Gehalt, Position oder Professionalität, Führungs-Qualitäten, Zeit für Dich und Deine Familie oder etwas ganz anderem bemisst.

 

Wenn wir uns entwickeln und wirklich wachsen wollen, stoßen wir dabei sehr wahrscheinlich auf Widerstände, die sich in verschiedenen Bereichen unseres Lebens ähnlich zeigen. Wir erfahren Reibung, wenn anfangen, unser großes Warum, unsere Mission für den nächsten Lebensabschnitt und unsere Werte konsequenter und in allen Beziehungen zu leben.

 

Wenn Du Dich nun verändern willst, bedeutet das, dass Du Dich neu verhältst. Denn Tun und Sein hängen eng miteinander zusammen. Wenn Du zum Beispiel einführen willst, jeden Sonntag Deine Woche zu planen, um mit mehr Struktur in die Woche zu starten, Dein Partner es aber gewohnt ist, dass Ihr sonntags den ganzen Tag zusammen verbringt, vielleicht sogar als ganze Familie, ist er direkt von der Veränderung betroffen, findet sie vielleicht sogar störend, und ist daher nicht der Geeignetste, Dich daran zu erinnern, dass Du das tun wolltest. Wenn Du Dich sonst mit Deiner Freundin zum Weintrinken getroffen hast, ist sie nicht die ideale Kandidatin Dich darin accountable zu halten, dass Du beginnst, weniger zu trinken und früher ins Bett zu gehen. Du kannst diese Menschen darüber informieren, wie Du etwas anders machen willst, aber, das ist das Wichtigste: Belaste die, für die es vielleicht ohnehin schon herausfordernd ist, dass Du Dich veränderst, nicht noch zusätzlich: Auch wenn Du vielleicht nur in kleinen Aspekten nicht mehr in derselben Weise für die Beziehung zur Verfügung stehst wie früher, ist eine Person, für die das erstmal genauso mit Neuerungen verbunden ist wie für Dich, kein guter Partner, um Dich auch noch bei Deinen gewünschten Veränderungen zu unterstützen. Häufig kommt es dabei zu  Verstrickungen von – vielleicht auch unbewussten – Interessen, in schlimmstem Fall zu emotionalem Chaos und Streit.

 

Wie Du einen Accountability-Partner findest

 

Suche Dir jemand, der oder die auf einer ähnlichen Stufe und vor einem ähnlichen Schritt oder Sprung steht wie Du selbst. Ähnlicher Umsatz als Selbstständige, ähnliches Karriere-Level, ähnliches Ausbildungs-Niveau. Jemand, der an Dich glaubt und Dich in Deinen Fähigkeiten sieht und bestärkt. Jemand, der Dir Erfolg gönnt, nicht neidisch wird, sondern mit dem Du Deine Erfolge feiern kannst und mit der Du Dich im Gegenzug über ihre Erfolge mitfreuen kannst.

 

Und: Suche nach jemandem, die ähnliche Werte hat wie Du und Dich darin unterstützt, diese umzusetzen.

 

Suchen kannst Du etwa in Deinem Ausbildungs-oder Studiums-Jahrgang, in Weiterbildungen oder Programmen, die Dir wichtig sind. Meine Accountability-Partner habe ich alle in Ausbildungen kennengelernt.

 

Was ein Accountability-Partner nicht ist

– Coach, Mentor oder Lehrer (Um wirklich auf Deine nächste Stufe zu wachsen, hilft es oft sehr, das eigene neue Selbstbild erst einmal mit einem Coach zu finden und zu verankern. Du kannst Deinem Accountability-Partner davon erzählen und ihn bitten, Dich auf dem Weg dorthin zu begleiten, aber erwarte nicht, dass er es komplett mit Dir erarbeitet. Und Du brauchst das auch für den anderen nicht zu leisten. Umgekehrt heißt das, dass es durchaus sinnvoll ist, wenn Ihr Euch beide auf Eurem jeweils individuellen Weg coachen, beraten und inspirieren lasst.)

– Therapeut (Deine Accountability-Partnerin kann Dich auf wiederkehrende Themen hinweisen, aber es ist nicht ihre Aufgabe da mit Dir in die Tiefe zu gehen oder diese Themen mit Dir zu lösen.)

– Kummerkasten (Achte darauf, dass Du bei Deinem Accountability-Partner nicht nur „ablädst“, wenn es Dir schlecht geht. Übe, positiv zu denken und zu formulieren, auch wenn Du gerade sehr herausgefordert bist. Dann bleiben die Vibes hoch und Eure Ausrichtung auf Wachstum kann sich entfalten)

 

 

Stuktur für die Zusammenarbeit mit einem Accountability-Partner

 

Einigt Euch darauf, wie häufig und über welchen Kanal Ihr zusammenarbeiten wollt. Das kann reichen von

  •   – zweiwöchentlichen oder monatlichen Check-ins (Wo stehst Du mit Deinen Zielen und Themen?)

bis hin zu

  • – täglichem Verankern der 3 wichtigsten Ziele
  • – wöchentlichem Verankern von Wochenzielen
  • – monatlichem Verankern von Monatszielen
  • – quartalsweisem Verankern von Quartalszielen
  • – jährlichem Verankern von Jahreszielen

Ihr entscheidet, wie tief und eng ihr miteinander arbeiten wollt und wie häufig Ihr miteinander „eincheckt“.

 

Schaue hier nach Deinen Bedürfnissen: Wie oft brauchst Du Kontakt mit Deinem Accountability-Partner, um wirklich umzusetzen, was Du Dir vorgenommen hast? Wichtig ist, dass Ihr Euch über eine Frequenz abstimmt, die für Euch beide passt, damit nicht die eine mehrmals täglich Nachrichten schickt, während die andere sich nur einmal in der Woche austauschen möchte.

 

Auch vom Format her könnt Ihr zwischen kurzen Check-Ins oder längeren Live-Sessions das finden, was zu Euch und Eurer beiden Lebens- und Arbeitssituationen passt. Da gibt es zahlreiche Optionen, die Ihr auch kombinieren könnt:

  • – Messenger-Nachrichten
  • – Voice-Nachrichten
  • – Emails
  • – Zoom-Meetings
  • – Telefonaten
  • – gemeinsames Visions- und Planungs-Sessions, Tage oder ganze Wochenenden

 

Entscheidet Euch zunächst für eine gewisse Zeit, z.B. drei Monate für eine Frequenz und ein Format, zu dem Ihr Euch beide committen könnt. Wenn Ihr dann etwas verändern wollt, tut das. Wichtig ist hier Ehrlichkeit: Die Zusammenarbeit mit Deinem Accountability-Partner wird Dich herausfordern, klar Deine Bedürfnisse und Grenzen zu kommunizieren. Das ist nicht immer leicht, allerdings ein sehr lohnendes Lernfeld, das Dir auch in anderen Bereichen sehr nutzen kann.

 

Sprecht auch darüber, ob und auf welche Weise ihr in brenzligen und akuten Situationen füreinander da seid und dann auch für Sprachnachrichten außer der Reihe Raum habt. Eine Accountability-Freundin und ich haben die Regel, dass ohne Limit via Voice-Nachricht geteilt werden darf, ohne dass es einen Anspruch auf Antwort innerhalb einer bestimmten Zeit gibt. Manchmal ist eine Antwort auf ein 15-Minuten-Sharing nur ein Emoji und das ist ok so, weil wir diese Absprache haben.

 

Dein Gegenüber wird Dir spiegeln, ob Du eine verlässliche Partnerin bist oder ob es sie stört, dass Du wiederholt Termine kurzfristig verlegst und oft 5 Minuten zu spät ins Zoom-Meeting kommst. Genau hier könnt Ihr beide lernen. Wichtig ist, dass Ihr genau diese Punkte ansprecht und beide gewillt seid, Euch zu verändern. Nicht um dem anderen etwas recht zu machen, sondern um auch für alle anderen eine verlässlichere, sortiertere, professionellere Version Deiner Selbst zu sein.

 

Inhaltliche Arbeit mit einem Accountability-Partner

Accountablily-Partner sind nicht nur dazu da um produktiv und „maskulin“ Ziele durchzupowern, Erfolge zu feiern oder Misserfolge zu analysieren. Sicher, auch das gehört dazu. Aber es lohnt sich auch, gerade „feminine“ Themen zu besprechen (zu meinem Verständnis dieser Begriffe siehe hier): Dazu gehört besonders, wie Du wichtige Entscheidungen im Einklang mit Deinen Werten treffen kannst. Trefft zu Beginn ein Agreement darüber, wie Ihr Euch gegenseitig freundlich darauf hinweist, dass der andere von seinen Werten abweicht.

 

Tauscht Euch dafür zu Beginn Eurer Accountability-Partnerschaft aus über

– Eure Werte

– Eure Mission oder große Aufgabe in der nächsten Zeit

– Eure Vision (von Eurer Arbeit, Eurer Organisation, Eurer Branche, der Gesellschaft…)

 

Wenn Ihr sowohl Eure Stuktur als auch Eure gegenseitigen Werte, Missionen und Visionen kennt , könnt Ihr Euch wirklich interessanten Fragen widmen: Wie kannst Du Deine nächste große Aufgabe erfüllen, Dein nächstes großes Ziel erreichen, sodass es Dir und anderen dabei gut geht? Wo gibt es in Konflikten oder Herausforderungen vielleicht Punkte, die Du selbst nicht siehst? Wie kannst Du Deine Sichtweise oder auch Deine Gewohnheiten ändern, sodass alles leichter gehen darf? Wie kannst Du mit anderen klar und gleichzeitig emphatisch kommunizieren, sodass sie sich auf Deine Führung oder Richtung einlassen und sich dabei gesehen fühlen? Dieses Buch ist sehr hilfreich in Bezug auf Accountability-Arbeit auf dieser Ebene.

 

Du ahnst bereits: Die Zusammenarbeit mit einem Accountability-Partner ist weit mehr als bloßes Ziele-Abhaken. Im besten Fall wird es eine tiefe Beziehung, in der Ihr tiefe Einblicke ineinander haben werdet. Vielleicht teilt Ihr auch sehr Privates. Vertraulichkeit ist wichtig und muss von Anfang an Priorität sein. Du wirst den anderen in seinen besten und seinen schwächsten Zuständen sehen und er Dich. Da gilt es, füreinander da zu sein, und den Zustand des anderen auszuhalten, und zu helfen, ohne jeweils mit in den „Abgrund“ hinabzusteigen. Und man kann lernen, sich auch in solchen Situationen abzugrenzen ohne die Empathie abzulegen. Auch wird es darum gehen, dem anderen und Dir selbst zu verzeihen. Für ein vielleicht mal zu harsches Wort, für Verspätungen, für unklare Absprachen, die zu Missverständnissen führen. Wenn es Euch gelingt, solche Tiefen zu navigieren, lernt Ihr echte Beziehungs-Skills. Ihr lernt, wo ihr gegenseitig Eure „Knöpfe drückt“ und könnt bewusst aussteigen aus Co-Abhängigkeits-Dynamiken, in denen ihr Euch beide dann zuweilen wie verletzte Kinder verhaltet. Wenn Du hier Deine Schritte lernst, wird Dich das auch in nahezu allen anderen Beziehungen zu einem stabileren Partner machen.

 

Kurz: Die Arbeit mit einem Accountability-Partner hat eine sehr alltägliche und praktische Seite. Lässt man sich auch auf die tieferen Ebenen ein, kann daraus eine echte Wachstums-Beziehung werden, von der beide auch menschlich profitieren. Dann kann eine Accountability-Partnerin sogar zur neuen besten Freundin werden.

 

*)Der besseren Lesbarkeit zugunsten variiere ich Maskulinum und Femininum (Partner und Partnerin), anstatt jeweils beide Geschlechter zu nennen, die hier durchaus gemeint sind.